Heute ist wieder Vernetzungs-Tag hier auf dem Blog! In dieser Folge meiner Interview-Reihe habe ich Tala T. Alsted zu Gast, eine Autorin, die ich ebenfalls über Instagram gefunden habe. Ich habe bereits zwei ihrer Romane gelesen, der neueste, „Dunkellied“, ist kürzlich erst erschienen.
Ich fange wieder mit ein paar Fakten an:
Tala T. Alsted veröffentlicht ihre Bücher in Eigenregie. Ihre Buchcharaktere begleiten sie oft jahrelang, weshalb sie so viel Zeit hat, kleine Zeichnungen von ihnen anzufertigen, die sie dann auch gern auf ihren Social-Media-Kanälen teilt. Ein paar Mal im Jahr kannst du sie übrigens auf ausgewählten Buchmessen treffen. Im Internet findest du sie unter tala-alsted.de und wortlicht.blog, oder auf Instagram unter @wortlichtblog.
Johanna:
Hallo Tala, schön, dass du heute virtuell auf meinem Blog zu Gast bist!
Als erstes interessiert mich der Ursprung deines Autorinnendaseins: Wie bist du zum Schreiben gekommen, und kannst du den Moment benennen, seitdem du dich traust, dich selbst als „Autorin“ zu bezeichnen?
Tala: Ich schreibe schon, seit ich schreiben kann. Davor habe ich Geschichten gemalt und mein Vater hat den Text dazu geschrieben. Autorin nenne ich mich tatsächlich erst, seit ich „echte“, gedruckte Bücher veröffentlicht habe.

Johanna:
Du hast bis jetzt drei Romane veröffentlich: „Lindenherz“, „Re-Generation“ und „Dunkellied“. Dein Romandebüt handelt von einer Zeitreise ins Mittelalter, nicht wahr? Die beiden letzten Bücher sind Dystopien: „Re-Generation“ spielt in der Zukunft“, „Dunkellied“ passt zu unserer Zeit, das Setting ist aber eine fiktive Welt. Wie kam es zum Genre-Sprung von Vergangenheit zur Zukunft?
Tala:
Mit „Lindenherz“ habe ich mich über vier Jahre lang beschäftigt, die Idee mit dem geheimnisvollen Spiegel, der etwas anderes anzeigt als ein normales Spiegelbild, hatte ich schon ewig im Kopf. Durch meine Arbeit in einem Museum habe ich viel mit historischen Themen zu tun und ich wollte gern mit ein paar Klischees übers Mittelalter aufräumen. Mit Blick auf mein nächstes Buchprojekt ist mir bewusst geworden, dass für mich das Thema einer Geschichte ausschlaggebend ist, nicht das Genre, da bin ich flexibel.
Johanna:
Hintergrund deiner beiden Dystopien sind jeweils wissenschaftliche Phänomene und Forschungen: Bei „Re-Generation“ spielst du mit Zellverjüngung, in „Dunkellied“ mit der Typisierung unserer biologischen inneren Uhr bzw. dem Unterschied zwischen Tag- und Nachttypen. Was hat dich jeweils auf die Idee dazu gebracht, und wie intensiv war die Recherche?
Tala:
Bei RE-GENERATION war es tatsächlich eine kleine Wissenschaftsmeldung darüber, dass es asiatischen Forschern gelungen sein soll, menschliche Zellen um einige Monate zu verjüngen. Das musste ich einfach weiterspinnen: Was wäre, wenn es so eine Behandlung gäbe? Was würde das mit der Gesellschaft machen? Ich habe auch relativ viel recherchiert und herausgefunden, dass die Forschung schon weit fortgeschritten ist und dass es tatsächlich oft die millionenschweren Unternehmer sind, die das vorantreiben. Ich finde das Thema immer noch super spannend!
„Dunkellied“ wiederum ist in dieser Hinsicht persönlicher. Tatsächlich fühle ich mich als Nachteule in unserer Gesellschaft in einen Rahmen gepresst, der nicht gut zu mir und meinem Tagesrhythmus passt. Auch hier habe ich recherchiert und sogar einen Gen-Test machen lassen, der belegt, dass meine innere Uhr einfach so tickt. Man kann das nicht abtrainieren und es ist auch nicht gesund, es zu versuchen – eine für mich sehr befreiende Erkenntnis, die ich gern weitergebe. Aus dieser Inspiration ist dann aber eine ganz eigene Welt geworden, eine zweigeteilte Gesellschaft mit viel Diskriminierung und Unterdrückung. Ausgehend davon kann man Parallelen ziehen zu ganz anderen Formen von Diskriminierung und Unterdrückung.
Johanna:
Ich wusste gar nicht, dass man sich auf Tag- oder Nachttyp testen lassen kann! Ich glaube, ich wäre einer dieser Mischtypen. – Aber zurück zu deinen Büchern: In beiden spielt auch die Natur eine Rolle. In „Re-Generation“ tauchen Pflanzen als Motiv auf, in „Dunkellied“ Vögel. Bist du auch eine Naturliebhaberin, wie deine Figuren?
Tala:
Und wie, schon immer! Ich bin auch gern draußen. Und bei beiden Büchern empfinde ich die kleinen Natur-Parts als sehr wohltuenden Kontrast zu den unterirdischen Welten.
Johanna:
Ich bin auch eine große Draußen-Freundin. Wenn ich mir vorstelle, wie die „Grauen“ in Dunkellied immer unter der Erde zu sein, zu wissen, dass es oben viel schöner ist … schrecklich.
Jetzt zu einer Frage zu deinem Veröffentlichungs-Prozess: Du bist Selfpublisherin. War das von Anfang an dein Plan oder wie hat sich das ergeben?
Tala:
Natürlich habe ich mich auch bei Verlagen beworben, aber immer nur maximal so lange, bis meine Bücher fertig waren. Ich bin einfach zu ungeduldig, monatelang auf Antwort zu warten, die vielleicht nie kommt. Und ich finde die Selfpublishing-Möglichkeiten faszinierend. Dass das überhaupt geht, ist fantastisch! Ich bin gern unabhängig, habe Spaß am Ausprobieren und mache sowieso am liebsten alles selbst, damit ich auf niemanden warten muss. Aber natürlich braucht es für Dinge wie Korrektorat dann doch noch einen Blick von außen.
Johanna:
Verrätst du uns, ob du schon wieder am nächsten Projekt arbeitest? Wenn ja, auf welches Genre dürfen wir uns freuen?
Tala:
Es wird ein Umweltthema im Hier und Jetzt mit einem ziemlich störrischem Klimaaktivisten und einer jungen Firmenerbin in den Hauptrollen. Die Geschichte hat sich vorgedrängelt, eigentlich wollte ich eine dystopische Fantasy-Idee umsetzen, die ich schon länger mit mir herumtrage. Dann wollte ich spontan eine Romance schreiben, aber das liegt mir offenbar nicht, denn es wird in Verbindung mit einer Lovestory gleichzeitig wieder um andere gesellschaftliche Themen gehen.
Johanna:
Mir haben deine beiden Dystopien jedenfalls sehr gut gefallen. „Lindenherz“ habe ich noch nicht gelesen. – Apropos: Hast du noch einen Lesetipp für uns? Ein Buch, das dich besonders beeindruckt hat?
Tala:
Vielen Dank! Das Buch, das mich in den letzten Jahren am allerallermeisten begeistert hat, ist die rasante und mitreißende Dystopie „Chimärenstadt“ von L.U. Sanders. Die gibt’s auch als Hörbuch.
Johanna:
L.U. Sanders findet man übrigens auch auf Instagram: @l.u.sanders
Vielen Dank, Tala! Schön, dass du hier warst!
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Falls du jetzt neugierig geworden bist: Wie du am besten an Talas Bücher kommst, erfährst du auf ihrer Website. Zusammengefasst: Signierte Bücher kann man immer auch per E-Mail oder Direktnachricht bei ihr bestellen, Dunkellied gibt’s so auch mit Farbschnitt und RE-GENERATION als Sonderausgabe. Zu Talas Shop geht’s hier.
Im nächsten Blog-Post (in zwei Wochen) gibt es dann eine Rezension von mir zu “Dunkellied”, wie immer spoilerfrei! Schau also gerne wieder vorbei!
Bis bald!

